Skip to main content

Mit Judo gegen Gewalt und mehr Selbstbewusstsein

Erstellt von Nadine Böni |

Im Rahmen des Projekts «Gewaltprävention» der Schule Baden besuchen Schüler Judounterricht – und verbessern ihr Selbstbewusstsein.

Der Trainingsraum im Keller der Turnhalle Burghalde ähnelt einem traditionellen Dojo. Der Raum ist beinahe quadratisch, Wände und Boden sind mit rot-grünen Matten ausgepolstert. Staub flimmert im Sonnenlicht, das spärlich durch die hoch gelegenen Fenster dringt. Die Matten dämpfen die Schritte der Jugendlichen, die sich darauf im Kreis sammeln.

«Ich bin stark! Ich bin motiviert! Zusammen schaffen wir alles!», rufen die zwei Jungs und fünf Mädchen gemeinsam mit Leiter Marco Torti vom Judoclub Baden-Wettingen, Co-Leiterin Irene Merkle und ihrer Lehrerin Monika Wunderl. Der Ruf gehört zum Ritual, mit dem die Judolektionen anfangen. Und er zeigt, dass es in den Lektionen nicht in erster Linie um die Kunst des Judosports geht.

Selbstbewusstsein fördern

Die Jugendlichen sind Schülerinnen und Schüler an der Berufswahlschule (BWS) Baden - und dort vor allem damit beschäftigt, sich für das Berufsleben fit zu machen und eine Lehrstelle zu finden. Im Judounterricht im Dojo dagegen geht es für Torti und Merkle vor allem darum, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken. «Körperlich kann ich in diesen 14 Doppellektionen nicht viel bewirken», sagt Torti.

Mit Judo im sportlichen Sinne habe der Unterricht deshalb auch nicht viel zu tun. Wichtig sei vielmehr, dass die Jugendlichen lernten, Konflikte ohne Gewalt zu lösen, sagt Torti.
«Ich zeige ihnen auf, dass es nicht nur Gewalt ist, wenn einer dem anderen die Faust ins Gesicht schlägt», sagt Torti.

Neben der körperlichen Gewalt gegen sich, andere und Sachen erwähnt Torti auch die seelische oder psychische Gewalt. «Einer, der das nicht selbst erlebt hat, kann sich gar nicht vorstellen, welche Auswirkungen gerade die psychische Gewalt haben kann», sagt Torti. Das wolle er den Jugendlichen bewusst machen. «Der Unterricht soll helfen, etwas einfacher durch das schwierige Alter zu kommen, in dem sie stecken.»

Selbstverteidigung lehren

Sollte es trotzdem einmal zu einem Ernstfall kommen, sind die Jugendlichen aber vorbereitet: Torti zeigt im Unterricht Tricks und Kniffs zur Selbstverteidigung. So führt Torti vor, wie man sich am besten aus einem Würgegriff befreit oder wie man sich auch am Boden liegend noch verteidigen kann. «Man kann mit Gewaltsituationen ganz anders umgehen, wenn man weiss, wie man sich verteidigen kann», erklärt Torti. «Vielleicht können sie irgendwann einmal etwas gebrauchen, was sie hier gelernt haben.»

Für Lehrerin Monika Wunderl ist klar, dass ihre Schülerinnen und Schüler bereits etwas gelernt haben: «Es gab Situationen im Schulzimmer, wo die Schüler einen Spruch aus dem Unterricht hier gebracht, sich angegrinst und den Konflikt ohne Eskalation gelöst haben.»

Zurück