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Jonas auf dem Weg nach Genf

Kundenmagazin Helsana:

Mit Herzblut bereitet sich Jonas Schmid auf die Special Olympics National Summer Games in Genf vor. Wir haben ihn einen Tag lang bei Arbeit und Sport begleitet.

Der Tag beginnt früh auf dem Reithof im appenzellischen Grub. Gemeinsam mit weiteren Mitarbeitenden füttert Jonas um 7 Uhr die Pferde. Besondere Aufmerksamkeit widmet er seinem Pfl egpferd, dem Isländer Wallach Gladur. «Gladur» bedeutet glücklich, fröhlich. Das passt zur Stimmung auf dem Hof. Der 21-jährige Jonas strahlt, genauso wie seine Kolleginnen und Kollegen, während er die Arbeiten auf dem Hof ausführt. «Zwischendurch kommt es aber schon auch zu Auseinandersetzungen. Es kann dann ziemlich laut werden», gibt Heimleiterin Astrid Gygax augenzwinkernd zu. Genauso wie Jonas leben zahlreiche seiner Kolleginnen und Kollegen seit Geburt mit einer geistigen Beeinträchtigung. Diese hindert sie allerdings nicht daran, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Sie arbeiten ganztags auf dem Hof und erledigen alle Arbeiten rund ums Pferd: Füttern genauso wie Putzen der Ställe oder Ausreiten. Besondere Konzentration und Ruhe erfordern das heilpädagogische Reiten sowie die Hippotherapie: Menschen mit körperlichen oder psychischen Schwierigkeiten erfahren durch das Ausreiten und die Beziehung zu den Pferden Linderung für ihre Beschwerden. Jonas gehört zu den Mitarbeitenden, die bei diesen Ausritten die Pferde führen. «Nur wer einen guten Draht zu den Pferden hat und die Pferde ruhig halten kann, eignet sich für diese anspruchsvolle Aufgabe», erklärt Gygax. Jonas arbeitet nicht nur auf dem Reithof, er trainiert auch dort. Regelmässig nimmt er an Wettkämpfen von Special Olympics teil. Special Olympics – vor 50 Jahren gegründet, seit 30 Jahren vom Olympischen Komitee anerkannt – ist die weltweit grösste Sportbewegung für Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Beeinträchtigung. Der nächste Höhepunkt sind die National Summer Games vom 24. bis 27. Mai 2018 in Genf. Jonas kann es kaum erwarten, dabei zu sein. Seine Hauptdisziplin an den Wettkämpfen ist aber nicht das Reiten, sondern Judo. Einmal pro Woche trainiert er in Balgach, im St. Galler Rheintal, wohin ihn jeweils seine Mutter Myriam fährt. So auch heute. Am späten Nachmittag nach der Arbeit geht der 21-Jährige zunächst in sein Zuhause in der Wohngemeinschaft, die zum Reithof gehört. Umziehen und duschen, bevor das Programm straff weitergeht. «Als einziger Mann in der WG muss ich mein Bad nicht teilen, deshalb geht es schnell», meint Jonas und lacht. Später bei den Eltern erzählt er beim Znacht von seinem Tag auf dem Reithof und dass er sich ganz besonders auf das Judotraining freut. Denn heute Abend soll er den grünen Gürtel erhalten.

«Hoffentlich ist mein Gürtel eingetroffen»,

meint Jonas aufgeregt. Er ist eingetroffen. Und ziert – wenn auch noch ein bisschen steif – sein weisses Judogewand mit den Schweizerkreuzen. Stolz und mit Würde absolviert Jonas die Trainingsstunde. Und mit der nötigen Portion Ehrgeiz. «Früher genügte es ihm, dabei zu sein», verrät Mutter Myriam. «Doch inzwischen hat Jonas einen gesunden Wettkampfgeist entwickelt.» Beweis dafür sind die Pokale und Medaillen in seinem WG-Zimmer. Und wer weiss? Vielleicht kommt an den National Summer Games in Genf eine weitere Auszeichnung hinzu.

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