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Sportvereine in der Schweiz Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven

Vor über 20 Jahren wurde erstmals eine grosse Befragung der Schweizer Sportvereine durchgeführt. Auslöser war die Sorge, der Vereinssport sei für die Herausforderungen einer immer bunteren und schnelllebigeren Sportwelt schlecht gerüstet, was zu einem grossen Vereinssterben führen könnte. Damals war viel von neuen Trendsportarten die Rede, die Unabhängigkeit zum Programm erhoben und sich als Gegenwelt zu den bestehenden Sportorganisationen positionierten. Die Zukunft schien den kommerziellen Fitness- und Sportcentern zu gehören, die mit Effizienz und Flexibilität punkteten. Starre Trainingszeiten, freiwilliges Engagement, unermüdlicher Wettkampfeifer und geselliges Beisammensein schienen zu Relikten aus dem zu Ende gehenden 20. Jahrhundert zu werden. Der Verein galt als Auslaufmodell. Bereits 1996 durften wir feststellen, dass in diesen Diagnosen einiges überzeichnet wurde. Der einzelne Sportverein mag zwar etwas Bewahrendes und Starres haben, die Vereinslandschaft als Ganzes erwies sich aber als erstaunlich offen und flexibel. Aus vielen Trendsportarten sind neue Vereine und sogar Verbände hervorgegangen, und der boomende Sportmarkt bot für Vereine genauso Platz wie für Fitnesscenter. Der Sportverein hat den Sprung ins 21. Jahrhundert problemlos geschafft. Das grosse Vereinssterben hat nicht stattgefunden. Aus der ersten nationalen Vereinsstudie ist ein regelmässiges Monitoring der Schweizer Sportvereine entstanden. Es hat sich bewährt, Entwicklungen nicht nur anhand von Fallbeispielen zu illustrieren und zu prognostizieren, sondern mit breit abgestützten Daten auch zu messen und zu analysieren. So ist nach 1996, 2004 und 2010 bereits der vierte nationale Vereinsbericht entstanden. Dazu wurden im Laufe des Jahres 2016 alle 86 Swiss Olympic angeschlossenen Sportverbände sowie eine repräsentative Stichprobe von 5335 Sportvereinen befragt. Die neuesten Daten machen deutlich, dass Entwicklungen nicht immer eindimensional und linear verlaufen. Der Vereinssport lebt, die Herausforderungen und Probleme sind in den letzten 20 Jahren aber nicht weniger geworden. Ein genauer Blick hinter die Zahlen lohnt sich. Die Situation kann je nach Verband, Region oder Vereinstyp sehr unterschiedlich sein. Zusätzlich zum vorliegenden Grundlagenbericht wurden deshalb gezielt verbands- oder regionsspezifische Analysen erstellt. Die neueste Vereinsstudie wurde wiederum vom Observatorium Sport und Bewegung Schweiz im Auftrag von Swiss Olympic, dem Bundesamt für Sport (BASPO) und der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) durchgeführt.

Die Studie ist zudem Teil des europäischen Forschungsprojekts Social Inclusion and Volunteering in Sports Clubs in Europe (SIVSCE), das von Erasmus, dem wissenschaftlichen Förderprogramm der Europäischen Union (EU), unterstützt wird. Unter der Leitung der deutschen Sporthochschule Köln wird dabei die Situation der Sportvereine in zehn verschiedenen europäischen Ländern verglichen. Dies eröffnet uns die Möglichkeit, die Situation und Herausforderungen der Schweizer Vereine in einem breiteren, internationalen Rahmen zu diskutieren. Die entsprechenden Analysen werden in separaten Publikationen veröffentlicht. Bei der Projektorganisation, Datenerhebung und Berichterstattung wurden wir von verschiedenen Institutionen und Personen tatkräftig unterstützt. Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich für das grosse Engagement und die ausgezeichnete Zusammenarbeit bedanken. Ein ganz besonderer Dank geht an die 5335 Vereinsvorstände und 86 Verbandsverantwortlichen, welche an der Onlinebefragung teilgenommen und den ausführlichen Fragebogen mit hoher Zuverlässigkeit und grosser Ausdauer ausgefüllt haben.

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Teamentwicklung
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